Eine ungewöhnliche Baumaßnahme
Wie aus einem ehemaligen Finanzamt ein Beginenhof wurde

Die Profession von Gabriele Ruess und Herbert Köhnemann ist
der Wohnungsbau. Während sich Herbert Köhnemann als kreativer Architekt auch
überregional einen herausragenden Ruf verschafft hat, verkörpert Gabriele Ruess
die Ideenschmiede des in Unna (Westfalen) ansässigen Ingenieurbau- und Wohnungsverwaltungsunternehmens.
Rund 150 eigene Objekte werden durch das findige Unternehmerpaar betreut. Zudem
werden neue anspruchsvolle Bauprojekte realisiert und nach Fertigstellung
veräußert.
Eine Baumaßnahme, die selbst für Gabriele Ruess und Herbert Köhnemann
außergewöhnlich war und die sie vor eine große Herausforderung stellte, war der
Umbau des ehemaligen Finanzamtes Essen-Süd zu einem Beginenhof.
Was aber ist ein Beginenhof?
Blicken wir zurück: In Europa gab es seit dem 13.
Jahrhundert ein wachsendes Bedürfnis nach spirituellem Leben in klösterlicher Gemeinschaft
– besonders unter Frauen. Da nicht alle in ein Kloster eintreten konnten oder
wollten, um etwa die Festlegung durch ein lebenslanges Gelübde zu vermeiden,
wurde es immer üblicher, dass alternative Formen religiöser Lebensgemeinschaften
von Frauen entstanden.
Die Beginenbewegung hatte ihren Ursprung in Belgien – aber
auch in Holland, S

üdfrankreich, Spanien, Italien, Polen, Norwegen und Schweden
sind Beginenkonvente und Beginenhöfe ab dem Jahr 1220 nachweisbar. Zwischen
1250
und 1450 lebten zeitweise bis zu 10 Prozent aller Frauen in
den Städten als Beginen.
Allerdings verhinderte später die Obrigkeit die Weiterentwicklung
der Beginenbewegung durch den gezielten Entzug
ihrer Lebens- und Arbeitsgrundlagen. In den Schriften des
19. und 20. Jahrhunderts
ist die Geschichte der Frauen konsequent verschwiegen
worden, weshalb
das Wissen um die Bedeutung der Beginen-Kultur unterbrochen
wurde. Erst in
den letzten Jahren wurde die Beginenbewegung wiederentdeckt
und neu belebt. (...)
dsmagazin 05/06 2011
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